Schmucklinie Penrose
Schmucklinie Penrose
Ohrstecker aus Penrose-Kacheln, erst geordnet, dann chaotisch sich in den Raum auflösend
Ohrstecker aus Penrose-Kacheln, erst geordnet, dann chaotisch sich in den Raum auflösend
Ohrstecker aus Penrose-Kacheln mit voluminöser Kugelform
Ohrstecker aus Penrose-Kacheln mit voluminöser Kugelform
Ohrstecker aus Penrose-Kacheln, nur ganz zart in den Raum geknickt
Ohrstecker aus Penrose-Kacheln, nur ganz zart in den Raum geknickt
Ring aus Penrose-Kacheln, für die Stabilität aus dickerem Silber
Ring aus Penrose-Kacheln, für die Stabilität aus dickerem Silber
Papiermodell für einen Anhänger
Papiermodell für einen Anhänger
Papiermodell aus früher Gestaltungsphase
Papiermodell aus früher Gestaltungsphase
2014

Schmucklinie »Penrose«

Gestaltung

Schneeweiß SCHMUCK DESIGN STRUKTUR

Pate

Constanze Woltag

Kategorie

ah und oh

vorgeschlagen am

10. Juli 2014

Plädoyer

Die Arbeiten von Anja Schneeweiß begeistern mich immer wieder aufs Neue. Die Schmuckgestalterin und Goldschmiedin entwickelt, ausgehend von mathematischen Prinzipien und biologischen Formen, hoch ästhetische Schmuckstücke.

Die Verwendung zum Beispiel des aperiodischen Kachelmusters »Penrose« hat mich so begeistert, dass ich passend zu einem Paar Ohrsteckern eine Kette in Auftrag gegeben habe. Ich bekam ein wunderschönes handgearbeitetes Unikat, das ich immer wieder gern trage und das fast immer für Gespräche sorgt. Dabei bearbeitet Anja Schneeweiß das Silber nicht auf Hochglanz, es wird im Gegenteil durch die spezielle Oberflächenbehandlung weißlich, und wirkt am Ende fast wie filigran gefaltetes Papier.

Immer neugierig nach neuen Möglichkeiten der Formgebung lässt sie sich von Mikroskopaufnahmen wie auch Architektur inspirieren und kombiniert klassische Goldschmiedetechnik mit 3D-Druck. Ebenso wichtig ist es ihr, ressourcenschonende Materialien zu verarbeiten. So bietet sie fair gehandeltes Gold, Silber und Edelsteine an.

Ich freue mich immer wieder über den Ideenreichtum dieser Schmuckdesignerin und hoffe auf viele neue spannende Entwicklungen.

Beschreibung

Den Anstoß für meine Idee zu dieser Schmucklinie erhielt ich durch die Staatliche Zeichenakademie Hanau, an der ich die Möglichkeit hatte, zwei Jahre lang vollzeit an Gestaltung zu arbeiten. Eine Aufgabe dort lautete, Schmuck zum Thema »Ornament und Dekoration« zu entwickeln. Ich hatte dafür circa drei Monate lang Zeit. Als erstes kamen mir dazu, warum auch immer, Bilder von Gravitationstrichtern aus Einsteins Relativitätstheorie in den Kopf. Diese werden als Gitternetze dargestellt. Ich fand, dass diese Struktur bereits wie die Dekoration einer Fläche wirkt.

Bei meiner Internet-Recherche stieß ich auf weitere spannende Bilder und Grafiken aus dem Bereich der Physik, zum Beispiel die Mandelbrot-Menge oder die Fibonacci-Folge. Den entscheidenden Hinweis gab mir dann aber mein Freund, der selbst Physiker ist, indem er mich auf Penrose und seine Muster aufmerksam machte. Zunächst experimentierte ich mit der Fibonacci-Zahlenreihe herum, kam damit aber auf keinen grünen Zweig. Das darauf folgende »Herumspielen« mit den Penrose-Elementen lief jedoch wie von selbst.

Bei der Penrose-Parkettierung handelt es sich um eine von Roger Penrose und Robert Amman 1973 entdeckte und 1974 publizierte Familie von sogenannten aperiodischen Kachelmustern, welche eine Ebene lückenlos parkettieren können, ohne dass dabei ein Grundschema periodisch wiederholt werden müsste. Häufigstes Beispiel: zwei Rauten mit gleichen Seitenlängen aber unterschiedlichen Eckwinkeln. Alle Winkel sind ein Vielfaches von 36°. Die Kacheln müssen nach bestimmten Regeln aneinandergefügt werden, sonst kommt es entweder zu einer periodischen Parkettierung oder zu einer Lückenbildung. Eine Regel ist zum Beispiel, dass aus den Kacheln keine Parallelogramme gelegt werden dürfen.

Mit diesen zwei rautenförmigen Grundelementen fing ich an zu spielen. Zunächst legte ich die Penrose-Parkettierung nach, um die Regeln nachzuvollziehen und eine Fläche lückenlos zu füllen. Hierfür verwendete ich den Computer, weil sich die Grundelemente mit ihren exakten Winkeln so einfach duplizieren ließen. Dann durchbrach ich die Regeln, um bewusst Lücken herbeizuführen. Ich beschäftigte mich damit, was passiert, wenn man die Grundelemente von der Fläche in den Raum hineinwachsen lässt. Dafür druckte ich mir im Computer konstruierte Formen auf Papier aus und knickte die Elemente in den Raum hinein.

So entstanden unterschiedlichste Modelle, zunächst aus Papier, dann auch aus Metall, aus denen eine Vielzahl meiner Schmuckstücke hervorgegangen ist. In Silber gibt es mittlerweile sechs verschiedene Ohrsteckervarianten, zwei Anhängervarianten und zwei Ringvarinten. Zwei Ohrsteckermodelle habe ich auch in Gold realisiert.

Als Schmuckgestalterin habe ich gelernt, mich für die Formfindung zunächst von dem Gedanken an Gold und Silber – seit jeher die klassischen Materialien für Schmuck – zu lösen. Beschäftigt man sich zunächst ganz abstrakt mit einem schmuckfremden Thema und mit schmuck-unüblichem Material, entstehen ganz andere, neue Formen, auf die man nicht kommen würde, wenn man gleich in Gold und Silber denkt. Beim Thema Penroseparkettierung bot sich mir sofort Papier als das Material für die Modelle an. Da ich die Rauten im Computer konstruierte und selbsterdachte Muster ausdruckte, war der Schritt, diese Muster auszuschneiden und Faltungen vorzunehmen, nicht mehr groß.

Von den ungewöhnlichen Papiermodellen ausgehend erlaubte ich mir dann wieder den Gedanken an Metall und Schmuck. Wie ließen sich die Papiermodelle auf tragbare Schmuckstücke reduzieren? Silber bot sich hier an, weil es einerseits die Stabilität für die Tragbarkeit, andererseits das weiße Aussehen für die papierhafte Optik in sich vereint. Meine Schmuckstücke bestehen nun aus sehr dünn gewalztem 925/-Fairtrade-Silber. So haben sie trotz ihrem Volumen eine schöne Leichtigkeit. Die weiße, papierhafte Optik entsteht durch die sogenannte Technik des »Weißsiedens«. Alles Kupfer wird aus der Oberfläche herausgelöst, so dass eine feine Feinsilberschicht zurückbleibt. Da Silber sich nicht so wie Papier einfach knicken lässt, musste eine Lösung her, die für Metall funktioniert. In diesem Fall habe ich jede Linie von Hand gesägt (und zunächst ein Loch geboht, damit man die Säge einfädeln kann). Das so entstehende »Loch-Strich-Muster« bereichert das fertige Stück um ein weiteres Gestaltungselement und lockert die strenge Geometrie der Rauten auf.

Details

Entstehungsjahr

2012

realisiert

weitere Angaben

Maße der abgebildeten Schmuckstücke:

Ohrstecker »chaotisch-geordnet«
45 x 49 mm

Ohrstecker »rund«
Durchmesser 21 mm

Ohrstecker »oval«
21 x 15,5 mm

Ring
Breite circa 20 mm

Anhänger (auf Bild als Papiermodell, gibt es auch in Silber)
89 x 52 mm

initiiert von

Beteiligte

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