Süße Beschwerde
Süße Beschwerde
Im Karton wird die Süße Beschwerde in Museums-Shops und Galerien verkauft.
Im Karton wird die Süße Beschwerde in Museums-Shops und Galerien verkauft.
Original und Fälschung! Form und Größe sind gleich, nur die Materialität unterscheidet sich auf den ersten Blick.
Original und Fälschung! Form und Größe sind gleich, nur die Materialität unterscheidet sich auf den ersten Blick.
In freier Wildbahn untergejubelt.
In freier Wildbahn untergejubelt.
Neun Süße Beschwerden mit feinen Unterschieden.
Neun Süße Beschwerden mit feinen Unterschieden.
Eine Süße Beschwerde als Briefbeschwerer.
Eine Süße Beschwerde als Briefbeschwerer.
Nach der Party.
Nach der Party.
2012

Süße Beschwerde / Concrete Gift

Gestaltung

Bea Seggering

Pate

Bernhard Moosbauer

Kategorie

Sonnenschein

vorgeschlagen am

22. Oktober 2012

Plädoyer

Hm lecker, ein Negerkuss, oh hoppala, geht ja nicht das Wort … hmm grau, seltsam, vielleicht schon abgelaufen? alt? angemalt? wie eklig … mal anfassen … schwer … sehr schwer … mannomann, liegt der gut in der Hand, kalt … und immer noch lecker …

Die »Süße Beschwerde«, das ist ein in Beton gegossener Schaumkuss, süße Kindheitserinnerung in Stein gemeißelt. Als kleine Massenskulptur kann man das Dings auf den Sims stellen und an bessere Zeiten zurückdenken. An die – schon tote – Oma, die sie immer heimlich (weil die Mama das nicht wollte, daß die Kinder kurz vor dem Schlafengehen … usw.) aus der hinteren Ecke des Stubenschrankes hervorholte … diese Geschichten der glücklichen Kindheit entlockt dieses kleine Stück Beton … schön, wie das Gedächtnis funktioniert …

Tatsächlich ist meine Geschichte mit »Concrete Gift« – wie der englische Titel dieses Produkts lautet – eine sehr persönliche. Sie handelt von ewigem Rumsitzen in der gemeinsamen Küche, tagelangen Belagerungen derselben ohne Kochgeruch … Sweatshop-Atmosphäre. Die Betonküsse wurden bei uns handmade produziert. Die Küche war umfunktioniert in ein Betonlager … überall Zement, nirgends Brot. Aber viel Spaß.

500 Stück betonierte, gegossene Handschmeichler, die tiefe Erinnerungen an diverse Kindergeburtstage hervorrufen. Auch die Assoziation eines Geschenks für Rockergeburtstage finde ich passend. Die Vorstellung, daß wilde Kerle wie Kinder damit Betonkuss-Schlachten veranstalten, ist schon goldig.

Ich mag die irritierten Reaktionen der Leute. Ich mag das Ding.

Beschreibung

Mich reizt das Assoziative, das dieses Objekt bietet: Ein ungesundes Ding, mit einem rassistisch anmutenden Namen und obszöner Form, an das die meisten Menschen fröhliche Erinnerungen knüpfen, ist Teil unserer Kultur.

Diese klebrige Süßigkeit, voller schäumender Lebensfreude, die sich Kinder auf Parties in den Mund stopfen – quasi Sinnbild für die ersten Orgien des Lebens.

Man gehe in ein Geschäft. »Guten Tag, haben Sie Schaumküsse / Schokoküsse?« … »Ach so, Sie meinen Negerküsse / Mohrenköpfe.« »Äh ja, Entschuldigung, die darf man ja jetzt nicht mehr so nennen.« …

Sicher sollte der Name »Negerkuss« oder »Mohrenkopf« im 19. Jahrhundert die Exotik und Besonderheit der kleinen Ei-Zucker-Schokobombe unterstreichen; Jetzt ist uns diese Anspielung peinlich.

Die klassische Form, so simpel. Doch erst durch die gezackte Waffel ergänzt sich das hutförmige Oberteil zu der charakteristischen Schokokuss-Form. Beim Abgießen war mir wichtig, dass das sauber rüber kommt und genau so einfach aussieht.

500 Stück habe ich gegossen, zuhause in der Küche. Sehr viele unterschiedliche Formen habe ich verwendet. Was eigentlich Ergebnis maschinentechnischer Produktion ist – Schaum wird auf Waffel gespritzt und mit Schokolade übergossen – wird zu skulpturalen Unikaten. Fast immer sind die Waffeln mehr oder weniger schief platziert. Der Schaum ist in unterschiedlichen Wülsten aufgetragen. Die Schokolade glatt oder verkleckert, mit Zipfel oben oder glatter Fläche, mit unterschiedlich vielen zugeschmierten Waffelkästchen auf der Unterseite.

Viele Leute, die die Süße Beschwerde zum ersten mal sehen, haben ein kleines verschmitztes Blitzen im Auge, mit diebische Freude darüber, jemandem diese harte Beton-Fälschung unterzujubeln.

Die Süße Beschwerde steht für das »ja, aber …«, das Zarte, das Süße ist irgendwie verfälscht.

Während Schokoküsse normalerweise im Dutzend verkauft werden, wird die Süße Beschwerde einzeln angeboten. In einem kleinen Karton, der sie schützt und die Besonderheit und Individualität des Objekts unterstreicht. Das Handgemachte ist auch dem Karton noch anzumerken. Beim Auspacken ist das manuelle Einpacken noch zu spüren, wie bei frischem Aufschnitt, den man gerade beim Metzger gekauft hat.

In freier Wildbahn sind die Süßen Beschwerden bei Kunst-Events, in Galerien und Museums-Shops anzutreffen. Von dort finden sie ihren Weg auf Schreibtische, Frühstückstische, Gabentische ... Mit einer Süßen Beschwerde kann man konstruktive Kritik liebevoll äußern.

Details

Entstehungsjahr

2008

realisiert

weitere Angaben

Material:
Beton

Gewicht:
circa 150 g

Maße:
5 cm x 6 cm

Auflage:
500

initiiert von

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